Horizontale Abgründe
 
Wenn Tagesschwärze Zweifel nährt,
Gedanken endlos Kreise ziehn,
uns erdenschwer, in eiserne Schranken zwängen,
wir herztontaub, atemlästig werden, es für uns kein Innen noch Aussen gibt,
wir dem abgründigen Lebenszwang ausgesetzt werden,
dann…
 
scheint unser Los,
ohn’ Grund, ohn’ Ziel,
anzustehn, - in Reih und Glied,-
am Lebensstrand,
vor matt schimmernder Barke.
 
Woher? Wohin? Wozu?
 
Zieren etwa Kapitänskordeln des Fährmanns Mütze
oder verbirgt er seine Fahrkarten in der Jackentasche?
 
Schwimmendes Holz löst sich von Tauen,
mit Träumen, tief im Bug verstaut,
schaukelt es dem Horizont entgegen, mit aufgesetztem Übermut,
dem Himmelsbogen entlang übers Wasser - der abgründigen Welt zu.
Es wird von ihm verschluckt, versehentlich, mit unbändigem Hunger,
jenseits aller gefühlten Leichtigkeit.
 
Unser Trotz ringt plötzlich mit den Fluten,
will Grossmeister sein im Reich der Schatten,
bleibt seelenruhig aufgewühlt,
und wird verschaukelt von des Lebens Willkür.
Sorgenboten rudern ohn’ Richtung
und werden allmählich müd.
 
Das Bewusstsein erwacht,
die Amsel singt ihr Lied des Lichts,
der Tag gebiert urplötzlich neues Land.
Darauf gezeichnet Umrisse von Menschengestalt, noch nicht vollständig erkannt?
Eine weisse Fahne tanzt im Wind, sanft und leicht,
sie winkt uns, den Gestrandeten, zu.
 
Menschenfüsse drücken Spuren in den Gezeitensand,
eine Hand umfasst das zarte Tuch.