„Wenn die Ersten die Letzten sein werden und der Kelch an dir vorüber zieht…“

Sprichwörtlich auf den Kopf gestellt wird die Welt, wenn die Ersten die Letzten und die Letzten die Ersten sein werden…

Welt- und Realitätsfremd, nicht zu unserem Erfahrungshorizont gehörend, muss uns dieses Zitat erscheinen. Im Diesseits jedenfalls scheinen die Verhältnisse klar und unumstösslich zu sein: Oder haben sie schon mal Schimpansen im Zoo gesehen, die ihre Wärter in ein Gehege einschliessen, abgeschottet hinter dickem Panzerglas und sie mit Bananen füttern? Oder vielleicht Diktatoren, die freiwillig auf ihre Macht verzichten? Oder wären wir bereit anstelle eines Kindes auf einer Müllkippe in Neu Delhi zu leben?

Wie Kinder sollen wir werden, denn ihnen gehört das Himmelreich. Wohl wird die Umkehrung der Verhältnisse auf dieser, unserer Welt, auf sich warten lassen. Uns sind aber nicht einfach nur die Hände gebunden – denn jeder einzelne Mensch kann mit seinem eigenen Licht der Nächstenliebe versuchen, die Schatten von menschlicher Hoffnungs- und Trostlosigkeit, von menschlichem Elend und hilfeschreiender Ungerechtigkeit zu vertreiben und die Not zu lindern.

Dann würde der Kelch auch an diesen Menschen vorüber ziehen…

Dann wäre die Welt ein Stück weit gerade gerückt, die schiefe Ebene zwischen Macht auf der einen und von Ohnmacht auf der andern Seite ein wenig besser ausgelotet, dann würde Justitia nicht mehr mit verbundenen Augen die Ungerechtigkeit in der Welt erspüren müssen, sondern könnte sie mit offenen Augen erkennen, und dann müssten wir uns nicht länger fragen:   

Warum bloss machen wir Menschen uns die Welt gegenseitig zur Hölle, wenn der Himmel doch so nah ist?