„Wenn du etwas hütest wie deinen Augapfel und es dir wie Schuppen von den Augen fällt…“

Was im Leben hüten wir wie den eigenen Augapfel, den Stern des Auges? Was kann für uns so bedeutungsvoll und wichtig sein wie unser eigenes Augenlicht, die Fähigkeit, das Azurblau des Meeres, das glitzernde Weiss der schneebedeckten Berge, das Grün einer Frühlingswiese, das Lächeln der Geliebten und das gespiegelte Licht von leuchtenden Kinderaugen sehen zu können? Was uns Wert ist behütet zu sein, das tragen wir im Herzen, das ist uns so nah und für uns so wertvoll und schützenswert, dass wir es unter keinen Umständen aus den Augen und aus dem Sinn verlieren wollen. Wir begleiten es auf Schritt und Tritt, wünschen ihm nur das Beste, - ja, - legen sogar sein Schicksal in unsere Hände. Wir übernehmen die ganze Verantwortung für das, was uns so wichtig ist, wir fassen es mit Samthandschuhen an und überlassen nichts dem Zufall. Es ist uns so nah wie unser Atem, unser Herzschlag und unsere innersten Gedanken und Gefühle.

Was kann uns so nahe, was kann für uns so bedeutungsvoll sein? Die Werbung sagt es uns: Es ist unser Auto, es sind unsere Möbel es sind unsere Lebensmittel, die uns ins geheimnisvolle Reich liebend-berauschender Ekstase und in den Zustand überschäumender Sinneserfahrungen und Emfindungen entführen sollen, - es sind Lebens-, Immobilien-, und Autoversicherungen, die uns suggerieren wollen, dass wir ihr Augapfel sind, deren Wohlergehen für sie das einzig und höchst Erstrebenswerte ist.

Und plötzlich fällt es uns wie Schuppen von den Augen… und wir fragen uns: Kann wirklich das, was uns ständig als unentbehrlich für unser persönliches Glück im Leben vor Augen geführt wird, das sein, was in unserem Leben wirklich zählt und entscheidend wichtig ist?

Und plötzlich fällt es uns wie Schuppen von den Augen… und wir erkennen: Nichts – und schon gar kein Auto, kein Haus, kein noch so süsses Praliné und auch keine noch so perfekt absichernde Versicherung – kann das Leuchten von Kinderaugen, das Lächeln und die Seelenschönheit eines geliebten Menschen, kann das Gefühl von tiefstem Vertrauen, von vollkommener Geborgenheit und von liebender Zuwendung auch nur annähernd ersetzen. Es ist wohl nur gebende und empfangende Liebe, die uns so nahe kommen kann wie unser eigener Augapfel.