„Du kannst jemanden auf Händen tragen oder mit Füssen treten…“

Wenn wir die Worte dieses Zitates aussprechen, dann nehmen wir bewusst oder auch unbewusst Worte eines Beters, einer Beterin aus Psalm 91 in unseren Mund.

Boten Gottes tragen uns dort auf Händen, sodass unser Fuss nicht an einen Stein stosse.

Sind auch wir gelegentlich solche Boten Gottes, die Menschen vor Unglück bewahren, sie mit Händen durch Schicksalsschläge hindurchtragen, mit handfesten Gesten der Zuneigung Geborgenheit und Schutz bezeugen und deren Lebenstränen in unseren Händen auffangen? Ist es uns möglich Mensch zu sein, oder besser - immer mehr Mensch zu werden, indem wir handeln und die Not von Bedrohten abwenden, von Leidenden lindern, von Geschwächten auffangen? Sind unsere Hände die sichtbaren Werkzeuge unserer Zärtlichkeit, unseres sanftmütigen Umganges mit Mensch und Schöpfung, der Liebe, mit der wir dem Leben gegenüber, trotz oder gerade wegen unseren menschlichen Grenzen und Unzulänglichkeiten imstande sind, zu begegnen? Auf Händen tragen – schützen, bewahren, heilen, aufrichten, bergen, trösten, verwöhnen – mit Geist und Seele segnen.

Nun, war da war noch was? Ja, genau, da war noch was: „Du kannst jemanden auf Händen tragen – oder – mit Füssen treten…“   

Sie tragen uns durchs Leben, sie bringen uns vorwärts, sie machen uns beweglich, sie verleihen uns gelegentlich Flügel – die Füsse… Sie stehen im Wege, sie stellen andern ein Bein, sie bringen zu Fall, sie treten die Menschenwürde und zertrampeln Hoffnung, sie zerquetschen Blumen und die ausgelassene Spielfreude von Kindern, sie drücken aufs Gaspedal und überfahren alles was sich ihnen in den Weg stellt, sie sind der Elefant im Porzelanladen und stampfen die Erde platt, sie gehen über Leichen und stolpern über sich selbst – die Füsse…

Was wir tun hat manchmal Hand und Fuss - und fehlt dabei unser Herz, dann erscheint trotzdem alles sinn- und wertlos, kalt und leer.